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hungriges tagebuch:

  Leben, Alltag, und Essstörung ... (?)

Kritisches

Fressanfall - gewusst wie!

Achtung! Diese Seite befasst sich auf sehr ironische und sehr kritische (persönliche) Weise mit den Thema Essstörungen.

Der oder die so genannte FA.

Heimtückischer Einbruch der Selbstkontrolle, tritt vorwiegend nach der Heimkehr von Arbeit oder Schule, nachts oder nach längerer Hungerphase auf. Kann in Mehrfachfolgen erscheinen.

FAs. Der Alptraum jedes Hungernden. Man isst weniger, wenig oder nicht und nimmt ab. Man hat das Gefühl, kein Essen zu brauchen, genießt es, lebt weiter und gewöhnt sich an die Leere im Magen. Aber irgendwann kommt der Tag, an dem man die Kontrolle verliert. Eine Süßigkeit aus Kindertagen, emotionaler Ärger, Wut, Hass, Verlust oder einfach Langeweile erscheinen plötzlich auf der Bildfläche und versauen den Tag durch ihre kreative Umsetzung in Essen.

Dabei sind der Phanthasie keine Grenzen gesetzt: Fast Food, teure Delikatessen, Butter-Arrangements, Schokoladenfondue, gebackener Käse, widerliche fetttriefende Speisen aller Art, die man im "normalen" Anorektiker-Alltag nicht anrühren würde. Sie erzeugen Angst, Ekel und zum Teil sogar Übelkeit. Man hält sich also von ihnen fern. Einige Mythen aus der Literatur verbreiten sogar das Gerücht, dass es Anorektiker gäbe, die nie FAs haben.

Ich halte das für eine Fehleinschätzung. Die FAs sind anders. Weniger umfangreich, oder über eine längere Zeiteinheit erschreckt. Also nicht 5 Tafeln Schokolade in 10 Minuten, sondern 1 Tafel in 2 Stunden. Dies wird jedoch dennoch als krasser Kontrollverlust empfunden. Stellen Sie sich einmal vor, Sie haben 2 Jahre keinen Zucker gegessen und auf einmal fangen sie an, Würfelzucker zu lutschen. Vielleicht nur 5 Stück, aber es wird eine grenzwertige Erfahrung sein. Oder auch nicht. Ehrlich: keine Ahnung, wie sich normale Menschen fühlen. Ich würde nämlich lieber 1 Tag lang Bauchweh haben, statt puren Zucker zu verzehren. Igitt. Abgesehen davon habe ich eh meistens Magenschmerzen, damit wäre die Gerechtigkeit schon von vorneherein hergestellt ;-)

However: die FAs sehr konsequenter Magersüchtiger kann man nicht vergleichen mit denen von Binge Eatern oder Bulimikern. Der moderne Begriff der Bulimarektiker gibt denen, die einmal dünn waren und jetzt von den FAs nicht mehr los kommen, sei es über kurze oder lange Zeit, sowie den Anorektikern, die zwar ihr Gewicht nahezu dauerhaft halten, aber öfter Einbrüche der Konsequenz erleiden, einen Namen.

Schreckliches Wort. 

Und? Worauf kommt es bei so einem richtig fetten FA an?
10 Kriterien zum Fressen.

  1. Hauptsache fett!
  2. Zuckerhaltig! Möglichst kristallin.
  3. Schnell verzehrbar.
  4. Geschmacksintensiv, evlt. glutamathaltig. Fett ist ein Geschmacksträger!
  5. Interessante Konsistenz. Führt dazu, dass man mehr isst, als z.B. von einem Mousse des gleichen Geschmacks. 
  6. Kontrastreiche Geschmacksrichtungen. Immer mehrere Lebensmittelformen mit versch. Geschmack kaufen.
  7. Teuer. (Stil hat seinen Preis)
  8. Leicht zu transportieren (ist günstig, führt dazu, dass man auch unterwegs mehr fressen kann, z.B. Fast Food)
  9. Wenig Sättigungsgefühl: je minderwertiger, desto besser. Wenn es sättigt, könnte der FA vorzeitig beendet werden, weil nichts mehr hineingeht.
  10. Leicht zu erbrechen.

 

So.

Ich denke, Sie haben nun einen kleinen Einblick gewonnen.

PS: ein FA unter 30 Euro ist ein No Go!

25.3.09 18:34


Hungrig in den Nachmittag...

Gewicht: 45,2 kg
BMI: 17,7

Alles über 17 ist potentielles Normalgewicht. 17 war schon immer da, 17 besteht auf ihrem Recht, zu bleiben und fügt noch hinzu, dass 18 möglich wäre. Das gesunde Ideal. Wenn ich diese Zahl lese, wird mir übel. Merkwürdiges Gefühl. Nicht Wut oder ähnliches, ich finde sie einfach absurd. Mit einem 18er BMI wiege ich 47 kg. Das ist mein Höchstgewicht. Pardon: war. Zum Glück. Denn mit 47 kg passt mir keine einzige meiner Hosen. Keine. Ich ziehe sie an, es entstehen Druckstellen am Becken und Bauch. Nicht etwa, weil diese Stellen so grauenhaft knochig sind, wie es sich manche bei einem so abnormal dünnen Menschen vorstellen mögen... nein, sondern weil 47 für einen Menschen mit meiner Größe und meinen Proportionen mehr als Genug ist.

Dies ist mein Plädoyer gegen den BMI, die Grenzen und die falschen Verdächtigungen. 50 kg bei 1,60 ist nicht dünn. Es ist auch nicht sehr schlank, es ist normal. Nicht mehr und nicht weniger. Mit 50 kg sieht man vielleicht die Schlüsselbeine, aber diese Knochen sind prominent bei jedem Menschen, den ich kenn, selbst mit 160 kg erkennt man sie noch, denn bekanntlich setzt man das Fett nicht zuerst am Halse an... 

47 bedeutet, dass ich einen kleinen Babybauch bekomme, nicht etwa, wie durch die Krankenkassen und Kollegen propagiert, ein großes Loch in der Magengegend. 47 heißt, morgens mit geschwollenem Gesicht aufzuwachen, selbst wenn der Morgen erst gegen 12 beginnt. Es bedeutet, mit den Oberschenkeln vor dem Spiegel das Oberteil der Flosse von Arielle bilden zu können. Es ist einfach unerträglich.

BMI 18 ist normal. BMI 18,5 ist normal. BMI 17 aber auch. Unter 18,5 ist man nicht abgemagert, zu dünn und schon gleich gar nicht anorektisch. Im Gegenteil: gerade bei kleinen Menschen fehlt der Bezug des BMI zur Körpergröße und Proportion zusehends, wie führende Ecotrophologen auf Anfrage gern bestätigen ;-) Ich habe dazu Kindertabellen zu Rate gezogen. Sie liefern ein wesentlich sinnvolleres Ergebnis für die BMI-Werte kleiner Menschen (unter 1,62). Allerdings berücksichtigen sie natürlich nicht das Erwachsenenalter.

Übrigens zur Information: Es gibt Menschen, die dünn sind und NICHT magersüchtig. Die Medien vermitteln meiner Meinung nach ein Bild des Terrors durch Anorektiker. Überall auf der Welt vereinigen diese widerlichen Kreaturen sich in Scharen zu Pro Ana Sekten und stacheln sich zum Hungern an. Gemeinsam braten sie Wattebäuschchen und Makeup-Pads... Echt wahr! Ekelhaft ist das!

Wer das tut, ist aber nun dank der Medien nicht mehr krank, sondern böööse. Es gibt nun ja Pro Ana, die Erklärung für alles. Klar, dass ich anonym Alkoholiker sein kann, aber wenn ich über meinen Hunger sprechen will, ohne von Magersucht-online zensiert zu werden, komme ich in die Bild-Zeitung. Ist doch logisch, wo Anorexie viel tödlicher ist als jede andere Krankheit auf der Welt, zumal zu ihren Todeszahlen stets vollkommen korrekte und aussagekräftige Statistiken vorliegen ;-) Wie auch immer. Jedenfalls komme ich nun zum Ende, ich muss los....

Die Medien vermitteln das Bild der todesgeilen Hungerhaken, frei von Krankheitseinsicht, Moral und Geschmack. Ich möchte doch an dieser Stelle daran erinnern, dass es ein echter Grenzgang ist, an jeder Ecke an die Magersucht zu erinnern. Nicht jeder Mensch, der auf einer Parkbank liegt, ist ein Obdachloser. Man muss doch differenzieren können, warum er es tut. Vielleicht scheint dort die Sonne. Vielleicht gibt es Menschen, die sehr dünn, aber nicht magersüchtig sind. Leptosome heißen die ;-) Vielleicht gibt es aber auch solche, die hungern, aber nicht sterben wollen, die darüber nachdenken, warum sie es tun und was es für sie bedeutet. Vielleicht ist dieses Thema zu groß, um es in einem einzigen Eintrag zu bearbeiten, aber ich möchte doch daran erinnern, dass es vielleicht ein klitzekleines bisschen in diese Richtung gehen könnte...

25.3.09 16:15