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hungriges tagebuch:

  Leben, Alltag, und Essstörung ... (?)

Gedanken

Abnehmen - was ist das?

45,5. Normal. Mehr als normal. Für mich. Ungewohnt, wenn ich ein halbes Jahr zurück denke. Ich habe fast normal gegessen. Mit dem Resultat, dass ich nicht zufriedener bin. Ewige Verbesserungswürdigkeit. Nein, ich benötige keine Ersatzbefriedigung. Mein Leben ist voll von Menschen, Kunst, Literatur und interessanten Beschäftigungen. Ich bin kein unglückliches Scheidungskind. Ich sammle keine Bilder von Topmodels. Ich will einfach nur nicht normal sein. Normal ist schlank. Schlank ist nicht dünn und dünn ist schon gleich gar nicht mager. Mager muss! Her damit.

Immer, wenn ich wieder an einem solchen Punkt angekommen bin, am Zenit der Frustration oder kurz davor, beginne ich, Masterpläne zu konstruieren. Wie viel kann man wohl in soundsoviel Wochen abnehmen. Lieber schnell oder langsam? Schnell bedeutet, dass man umso mehr Angst hat, zuzunehmen, diese aber einen auch vom Fressen abhalten kann. Langsam bedeutet viel Disziplin, dafür aber weniger Strafe bei kleinen Limitüberschreitungen... Beides ist im Endeffekt eine Frage der inneren Überzeugung. Ich bin mehr der radikale Typ: Hat man einmal die Motivation gefunden, muss man sie nutzen und zwar schnell. Ansonsten dauert es nicht lange, und man isst genauso viel wie zuvor. Meine Theorie... Im Übrigen hat sie sich nicht ein einziges Mal bewahrheitet. Die besten Ergebnisse erzielte ich mich langsam weniger und v.a. gesund essen. Für mich: Joghurt und Obst. Ab und zu Knäcke. Aber im Moment der Frustration will man davon nichts wissen. Man will ein dürres Wesen sein und zwar pronto! Leider funktioniert es nicht so. Das Geduldspiel geht damit in die erste Runde. Ich weiß nicht, wie es diesmal laufen wird, ich weiß nur, dass ich 45 nicht mehr haben mag, egal mit welcher Stelle nach dem Komma. Ich werde mich bis 42 quälen, jeden Tag Bauchschmerzen haben und mich fragen, wie 3 kg weniger einen Menschen so quälen können. Ich werde müde und hungrig sein und mit mir selbst über ein Stückchen Schokolade diskutieren. Und warum? Ich weiß es auch nicht. Ich will nicht so sein. 45, das ist eine Zahl für Menschen, die bei Größe S enganliegende Hosen tragen. Größe S muss Platz haben. 45er Menschen haben Kleidergröße 34. Warum 34, wenn es 32 gibt? Und überhaupt: früher habe ich in der Kinderabteilung eingekauf! Gemeinheit. 

"Ironie" is the key, not haemoglobin!

19.3.09 01:03


Schreiben über sich selbst - Voyeurismus Anorexie - oder einfach nur ausbrechender Expressionismus?

Ich schreibe hier nun also über mein Leben. Eine Zeit lang hatte ich bereits ein anderes kleines Blog, ich habe aufgehört zu schreiben, weil ich erstens nicht mehr dazu kam und zweitens heute an einem anderen Punkt bin als ich es zu dieser Zeit war. Früher wollte ich nur eins: Abnehmen um jeden Preis. Mit der Zeit, bzw. sentimental ausgedrückt "mit den Jahren" verändert sich das offenbar. Auf einmal ist man älter, das Leben ist voll von Aufgaben und Pflichten. Das Abnehmen wird ohnehin schwieriger, da der Stoffwechsel sich an die häufige Nahrungskarenz und das Hungern gewöhnt hat. Wenn man nicht daueranorektisch ist und ein Gewicht über Jahre hält, sondern wie ich, mal abnimmt mal zunimmt, ist dieser Effekt verstärkt. Ich hatte zahlreiche Phasen, in denen ich gesund und normal sein wollte. Teilweise aus Angst vor gesundheitlichen Folgen, teilweise weil der Druck durch mein Umfeld zu hoch wurde, ich es einfach nicht mehr haben wollte, dass jeder etwas dazu sagt. Als ich zunahm änderte sich nichts. Rein gar nichts. Kommentare überall, nicht mal meine Obsttage hat man mir gelassen. Akzeptanz? Lob? Nö. Wofür dann? Dafür, dass ich ins Schema "normal" passe, gesunder angepasster Krankenversicherter ohne Probleme. Von außen guter Ernährungszustand - na, dann ist ja alles i.O. Von innen: Tobeseele. Das mag vielleicht nicht wie ein reifer Umgang mit Problemen klingen, aber vielleicht zeichnet sich nach ein paar weiteren Einträgen hier ab, was das alles wirklich für mich bedeutet. Warum ich so leben will, warum mir manche Dinge wichtiger sind als andere. Und warum "gesund" für mich nicht das Maß aller Dinge ist.

Und warum schreibe ich das hier?
Ich bin anonym. Ich bin irgendwer mit einer Störung. Ich glaube, ich will einfach nur meine Gedanken loswerden. Im Moment ist es nicht viel mehr. Vielleicht auch informativ, vielleicht kritisch gegenüber manchen Entwicklungen in der Presse aber auch in der "Szene" Pro Ana. Dazu aber später mehr. [...] Ihr könnt hier ein Stück weit mein Leben verfolgen, aber ich schreibe auch größtenteils einfach nur für mich selbst, um manches nicht zu vergessen, oder um darüber nachzudenken, wenn ich das selbst lese.

Viele Grüße an alle, die das lesen - ich wünsche euch einen schönen Mittwoch!

18.3.09 11:05