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hungriges tagebuch:

  Leben, Alltag, und Essstörung ... (?)

Pro und Contra (Pro) Ana

In den Medien flackert die Diskussion um ominöse Hungerseiten ja immer wieder mal auf. Besprochen werden dabei u.a. der angebliche Kult um die Ana, die quasi das schlechte Gewissen einer jeden Anorektikerin darstellt und deren Verniedlichung im Web reihenweise 13-jährige Mädchen das Leben kostet. *hust* Wie dem auch sei. Ich selbst bin seit Jahren Mitglied in einem mehr oder weniger pro-eingestelltem Forum, war auch schon in anderen, manchmal radikaler, manchmal schon fast zensiert. Ich will versuchen, meine Erfahrungen in einer kurzen Liste zusammen zu fassen. Ich frage mich nämlich selbst (nein, wir sind nicht "alle" blind vor Hunger...), was mir das Forenleben bringt, und wovon es mich vielleicht auch abhält. Eine Bilanz nach 4 Jahren Forenmitgliedschaft:

Pro:

. keine oder nur wenig Zensur -> was um alles in der Welt soll es mir helfen, nur in blumigen Umschweifen über mein Gewicht zu reden? Genau deshalb war ich nie in Foren wie Hungrig Online et al. aktiv. Über meine Hobbies, mein Lieblingsgericht, den Alltag und andere Nebenthemen kann ich auch mit meinen Freunden reden. Dazu brauche ich kein Forum für Essgestörte, in dem Zahlen tabu sind. Zahlen gehören zu einer Essstörung, wie Luft zur Lunge.

. Gleichgesinnte finden: wenn auch anonym, man lernt eine Menge über den Umgang mit der ES. 

. gemeinsam vorankommen: ich will nicht zunehmen, aber wenn ich abnehmen will, weil ich das Gewicht nicht ertrage, wird das in der großen weiten Welt da draußen niemand verstehen. Allein bleibt allein. Es ist wohl auch ein Grund, wenn auch kein schöner. Aber ich mag so ehrlich sein. Foren triggern und es ist für mich ein Grund, da zu sein (wenn auch weit nach den beiden erstgenannten)

Contra:

. negative Gefühle werden manchmal verstärkt oder färben ab

. muss sagen, dass meine Kontrollzwänge seit der Forennutzung stärker wurden, in Bezug auf das Essen. Auf manche absurd krassen Ideen wäre ich allein vielleicht nie gekommen.

. FA-Anfälligkeit: manchmal ist es schon so, dass ich Hunger bekomme, wenn ich sowas lese... schwierig,...

. Pathologisieren: ich glaube, das vieles stärker gewertet wird in einem Forum, Beschwerden, Ängste, psychische Probleme. Es kann leicht zu größerer Angst führen, man fühlt sich noch schlechter... aber manchmal hilft es eben auch sehr, genau darüber zu schreiben...

. Alles virtuell: für mich kann ein Forum den Freundeskreis nicht ersetzen, aber... man verbringt sehr viel Zeit vorm Rechner, taucht in diese Welt ein, wo man sicher ist... gleichzeitig ist sie aber auch zerbrechlich, man will keinen seiner virtuellen Freunde kränken. Geschriebenes ist oft leichter zu formulieren, da besser überlegt als im direkten Gegenüber... aber ist es einmal geschrieben, steht es da - Hilfe! Kontrollzwang?! Wollte ich das wirklich so sagen?!

Fazit:

Ohne Forum fehlt mir etwas. Ich kann und will nicht ohne. Ich bin in einem eher kleinen Forum, wir halten uns keineswegs zum Hungern an, wir wiegen auch nicht alle unter 40, wie man z.B. an mir sieht. Wir sind, glaube ich, eine ganz nette kleine Familie und ich möchte aufgrund all der sozialen Pro-Punkte diese Gemeinschaft nicht missen. Dafür nehme ich manche negativen Impulse in Kauf. Wenn man niemandem sagen kann, dass man gerade fast platzt wegen einer halben Banane, ist es gut, das irgendwo schreiben zu können, wo niemand den Kopf schüttelt...

19.3.09 00:49
 
Letzte Einträge: Donnerstag - 19.3.09, Abnehmen - was ist das?, Hungrig in den Nachmittag...


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